Montag, 12. März 2007

Wikipedia für Fundamentalisten

Conservapedia und creation wiki heissen die Antworten konservativ-fundamentalistischer Kreise auf die Wikipedia.
Conservapedia "is a conservative encyclopedia you can trust" mit über "4100 educational, clean and concise entries on historical, scientific, legal, and economic topics", (gegenüber den 1,7 Millionen Einträgen der Wikipedia)
Sie ist nach dem selben Muster wie Wikipedia aufgebaut, bevor man jedoch Beiträge schreiben oder verändern kann, muss man die Conservapedia Commandments lesen und natürlich auch befolgen: u.a.
- Edits/new pages must be family-friendly, clean, concise, and without gossip or foul language.
- As much as is possible, American spelling of words must be used.
Der Toronto Star hat sich mit der Conservapedia auseinandergesetzt und Spiegel Online international meint: "Conservapedia and CreationWiki aim to explain the world from a creationist perspective. They make entertaining reading."

Tim und Struppi im Film

porte

Steven Spielberg hat die Absicht kundgetan, die belgischen Comic-Helden Tim und Struppi nicht als Zeichentrickfilm sondern mit echten Menschen zu verfilmen. Die Vorbereitungen haben offensichtlich bereits begonnen, der Film soll 2009 in die Kinos kommen. Welches Abenteuer verfilmt wird, ist noch offen.
Ehrlich gesagt kann ich mir Professor Bienlein oder Käptn Haddock nicht anders als gezeichnet und mit einer Sprechblase vorstellen. Ich bezweifle auch ob sich die zeichnerische Dynamik Hergés filmisch wiedergeben lässt und von einer aufwendigen Produktion im Stil Harry Potter halte ich eigentlich nichts.
Mehr Information zu Hergé und Tim und Struppi (die ich als Tintin and Snowy kennengelernt habe):
Michael Farr: Auf den Spuren von Tim & Struppi. Aus dem Französischen. Carlsen Verlag 2006.
Frédéric Soumois, Dossier Tintin (Sources, Versions, Thèmes, Structures), Ed. Jacques Antoine, Brüssel 1987.

Übrigens: Hergé wäre heuer 100 Jahre alt geworden.

Sonntag, 11. März 2007

Urin - zu schade zum Wegspülen

Obwohl Urin nur 1% des Abwasservolumens ausmacht, enthält er sehr viele Nährstoffe. Diese müssen mit grossem Aufwand in Kläranlagen entfernt werden. Bleibt das aus, bedroht Überdüngung die Gewässer – namentlich die küstennahen Meere und ihre Fischbestände. Auch viele Problemstoffe, wie Medikamentenreste oder hormonaktive Substanzen, gelangen über den Urin ins Abwasser und teilweise in die Umwelt.
Das Wasserforschungs-Institut Eawag in Dübendorf zeigt nun, dass die separate Sammlung und Behandlung von Urin für den Gewässerschutz und das Recycling von Nährstoffen weltweit entscheidende Beiträge leisten könnten.
Der Dünger der in einem von der Eawag begleiteten Pilotprojekt aus Urin gewonnen wurde schnitt bei Versuchen im biologischen Landbau ähnlich gut ab wie künstlicher Mineraldünger und deutlich besser als Gülle oder organische Handelsdünger. Nährstoffe aus dem menschlichen Urin könnten in der Schweiz mindestens 37% des Stickstoff- und 20% des Phosphorbedarfs ersetzen, die heute durch importierten Kunstdünger gedeckt werden.

wcschuessel
Umschlagbild der Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 64. Jahrgang 2002 Heft 4.
WC Schüssel aus dem Historischen Museum Bern

Dass sich mit Urin Geld verdienen lässt hat bereits der römische Kaiser Vespasian gewusst, als er eine Latrinensteuer einführte. Als ihm sein Sohn Titus Vorhaltungen machte, dass dieses Geld auf recht unkaiserliche Weise verdient würde, soll ihm Vespasian erwidert haben: Pecunia non olet. (Geld stinkt nicht)
Urin war übrigens durch die Jahrtausende ein vielseitiger Rohstoff etwa beim Färben, Walken von Wolle oder beim Ledergerben. Und die populäre Eigenurintherapie der 1990er Jahren versprach Heilung von mancherlei Gebresten.

Samstag, 10. März 2007

Kunst ausser Kontrolle

schalen

Der Concept-Künstler Michel Blazy arbeitet mit Produkten des Alltags wie Orangenschalen, Alufolie, Karotten, Schaum, Draht, Caramel-Creme oder Soyanudeln, die er aus Bau-, und Supermärkten holt und für seine Wandmalereien, Skulpturen und Installationen benutzt. Natürliche, unkalkulierbare und unkontrollierbare Prozesse, die sich aus den Materialien selbst ergeben, wie Schimmeln, Vertrocknen, Riechen, sind bestimmende Aspekte seiner Werke.

ruebli

Bis Anfang Mai ist Michel Blazy im Palais de Tokyo in Paris zu sehen, vom 20. April bis 3. Juni im Kunstraum in Dornbirn.
"Das von Blazy verwendete Material organisiert sich und entwickelt ein in sich geschlossenes System, das gleichzeitig unserer Realität entspricht. Die speziell für den Kunstraum Dornbirn geplante Installation befindet sich während Dauer der Ausstellung in einem permanenten Prozess der Veränderung. Blazy gelingt es, das flüchtige Moment der Transformation festzuhalten." Zitat
(we-make-money-not-art)

Donnerstag, 8. März 2007

Swissair Prozess

Beim Aufräumen meiner Ephemera-Sammlung habe ich diese Kotztüte der Swissair gefunden, das kleine Swissair-Flugzeug in einem Spielzeugladen in Konstanz.
Sic transit...
swissair

Mittwoch, 7. März 2007

Das System der Dinge

Jean Baudrillard ist gestorben. Mit seinen Theorien zur Postmoderne war er manchmal nicht leicht verständlich. Sein Buch "Das System der Dinge. Über unser Verhältnis zu den alltäglichen Gegenständen" hat, ist schon 1968 erschienen, lange vor der heutigen Gesellschaft, in der sich das Individuum über Konsumgüter und Marken definiert.
Was Baudrillard über die Ausgestaltung des Wohnraums, über Materialien, einzelne Wohngegenstände wie Spiegel oder Beleuchtung geschrieben hat, über Besitz, die Sammlung, die Werbung und Authentizität, ist auch heute noch lesenswert.
Hier ein Nachruf im Spiegel-Online mit dem passenden Titel "Willkommen im Second Life"!

Dienstag, 6. März 2007

Tote Blogs und Pornoseiten

Blogrolls sollten regelmässig danach geprüft werden, ob die aufgeführten Links auch dorthin führen, wohin es ursprünglich beabsichtigt war, schreibt Anne Bartow, Professor of Law, University of South Carolina, in ihrem Blog.
Es könnte sonst sein, dass der Leser über den ungeprüften Link auf eine Pornoseite gerät. Offenbar übernehmen Pornoanbieter aufgegebene oder "tote" URLs, bevorzugt URLs von Blogs, weil die oft umfangreiche Linkverweise enthalten.
"When people end their blogs, pornographers and others often take over the blog’s URL. Bloggers who don’t keep their blogrolls updated may inadvertently be linking to, and increasing the search engine rank of, porn sites... when bloggers comment here and leave “hot links” to their names, the links remain functional even when the URL changes hands. This means that even blogs without blogrolls may be unintentionally linking to, and therefore assisting, pornography sites. You can read one account of this phenomenon here. Linking to porn sites should be a conscious choice, not something that is stealthy inflicted upon us."
Auch The Boston Globe berichtet über blog-hijacking beziehungsweise link-harvesting.
In verschiedenen Blogs wundern sich die Leute über die Stichworte, unter denen ihre Blogs in Suchmaschinen gefunden wurden, hier zum Beispiel oder bei Google Blogsuche Suchbegriffe eingeben. Vorwiegend sind die Stichworte aus dem Pornobereich.
Wären die oben genannten Tatsachen der unfreundlichen Übernahme von verlassenen oder toten Webseiten und Blogs nicht eine Erklärung für diese seltsamen Suchvorgänge? Und wie könnte man all die Links in einem Blog regelmässig nachprüfen? In der deutschsprachigen Blogosphäre habe ich noch nichts zu diesem Thema gefunden.

Montag, 5. März 2007

Des Deutschen liebstes Kind

Nicht nur des Deutschen, auch des Schweizers, liebstes Kind ist das Auto. Je schneller und teurer es ist, je mehr Benzin es säuft umso lieber haben sie es.
Spiegel Online stellt heute einen Gesinnungswandel fest und ein Aussterben der Spezies Automann. Weil sie so überflüssig geworden sind wie die Ritter. Der Text ist sehrrrrrr lesenswert.
Ob es allerdings stimmt, was hier geschrieben wird? In der NZZ von heute kann man lesen, dass der Personenwagenmarkt in der Schweiz letztes Jahr um 3,9 Prozent zugenommen hat: weil neue Autos weniger CO2 ausstossen, "wird der Kauf eines Neuwagens zum Umweltschutzargument."
Aber bis die letzten Auto-Cowboys mit ihren Offroadern nur noch in folkloristischen Darbietungen in Kiesgruben herumkurven wird Zeit vergehen.

Sonntag, 4. März 2007

Und ewig nagt der Baggerzahn

Hier haben wir vor einem Jahr noch Osterglocken gepflückt

osterglocken

Mittlerweile sieht es hier so aus:

osterglocken2

osterglocken3

Samstag, 3. März 2007

Gun Control

In einem Interview mit der Chicago Tribune liess der neufrischgebackene deutsche Oscarpreisträger von Donnersmarck seltsame Aussagen vom Stapel:
"I really have a profound dislike for any kind of strong government. For example ... I even find it worrying when I hear tendencies in the U.S. to abolish something like the freedom of the individual to bear arms.
I get worried about that. Because I always look to the U.S. as an example of an incredibly successful country that was all about empowering the individual. ... Of course you're going to have terrible things that happen if you give individuals that kind of power. But, look at what terrible things happen if you give all that power to the state. For example, in Germany, where we've never had that tradition of arming individuals ..."
Schleimt der sich bei den Amerikanern ein oder meint er es ernst? In dem Zusammenhang bekommt auch sein Dank an Arnold Schwarzenegger während der Oscar-Verleihung eine spezielle Bedeutung.
v.D. könnte sich um die schweizerische Staatsbürgerschaft bemühen und Militärdienst leisten (wenn er nicht schon zu alt ist) dann dürfte er sein Gewehr mit nach Hause nehmen.

Fashion Fédéral

Im Facts von letzter Woche wurden die Outfits unserer Bundespräsidentin kritisiert. Sehr wohlwollend allerdings!
Mir gefällt, wie sich Micheline Calmy Rey anzieht, eigenständig und selbstbewusst.

Wenn man unter Google eine Bildersuche zu Calmy Rey startet, erscheint dieses Bild bereits unter den ersten zehn:

micheline

Das Bild ist aus dem Bühnenprogramm "Die Unterbindung" von Frank Baumann. Gefunden bei kobi.

Freitag, 2. März 2007

Sprachlicher Paradigmenwechsel

Die Schweizer Post möchte sich von der Flut englischer Ausdrücke in der Kommunikation mit Personal und Kunden befreien. Offenbar hat der Konzernchef selbst diesen Gesinnungswandel eingeleitet und seine Anregungen sind auf fruchtbaren Boden gefallen.
In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre hätten sich, dem allgemeinen Trend entsprechend, überall englische Wörter für durchaus brauchbare deutsche oder deutschschweizerische Begriffe eingeschlichen. Englische Ausdrücke wurden "zu Prestigeobjekten der Wirtschaftswelt" , wie Facts unter "Deutsch und deutlich" in seiner neuesten Ausgabe beschreibt, "parallel zum Aufkommen des Internets und der Globalisierung".

In ihrer Lizentiatsarbeit: Sprachwandel: Anglizismen erobern Stelleninserate, Zürich 2006, hat Cecile Oberholzer Berufsbezeichnungen in 26 500 Stelleninseraten untersucht und bestätigt, was einem beim Lesen dieser Anzeigen schon seit längerer Zeit aufgefallen ist: die Anglizismen verbreiten sich. Dafür gibt es viele Gründe: Vielleicht gibt es kein treffendes deutsches Pendant, zudem gilt Englisch als dynamisch, hat Prestige und auf Englisch klingen manche Jobs einfach besser: Facility Manager hat doch mehr Pep als Hauswart - möglicherweise sind aber die Aufgaben eines Facility Managers sehr verschieden von dem, was ein Hauswart macht!
Die Aktion der Schweizer Post ist für "Sprachpapst Wolf Schneider" möglicherweise ein Anzeichen dafür, dass die Inflation an Anglizismen zu Ende geht und eine bewusstere Sprachkultur gepflegt wird.

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