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Sonntag, 30. September 2007

Holzbibliothek - Bäume zum Lesen

Bei meinem letzten Besuch im Internationalen Baum-Archiv in Winterthur bin ich auf eine Kostbarkeit gestossen. Eine Holzbibliothek aus dem Bestand des Naturmuseums Winterthur war ausgestellt. Sie stammt ursprünglich aus dem Besitz von Sebastian Clais, dem ersten Besitzer des Lindenguts.
Diese Holzbibliothek wurde vom Benediktinermönch Candid Huber aus dem Kloster Ebersberg in Bayern angefertigt. Die 93 Bücher mit ihren Rücken aus Rinde sind jeweils einer einzelnen Baumart gewidmet, die Buchdeckel sind aus dem Holz des Baums, die Buchrücken aus seiner Rinde. Im ausgehöhlten Inneren finden sich Zweige, getrocknete Blätter, Knospen, Blüten, Keimlinge und Samen, je nach dem auch Harz, verkohlte Stücke und vergesellschaftete Flechten, Käfer und Pilze.

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Hölzerne Bibliotheken sind in den Jahrzehnten um 1800 angefertigt worden, im Zusammenhang mit der Agraraufklärung und den neu entstehenden Agrar-und Forstwissenschaften. Winfried Freitag, der Leiter des Museums Wald und Umwelt in Ebersberg hat einen aufschlussreichen Aufsatz dazu geschrieben. Auch hier gibts dazu interessante Information. Leider gibt es nirgends wirklich schöne Bilder dieser Holzbibliotheken.
NB: Heute gabs die ganze Zeit die Meldung: Ein allgemeiner Fehler ist aufgetreten und ich konnte nichts mehr machen.

Donnerstag, 27. September 2007

Wegwerfen

Seit Jahren hebe ich Zeitungsausschnitte auf, weil ich mir vornehme, sie doch irgendwanneinmal zu lesen, manche hebe ich auf, weil ich sie einfach gut finde oder informativ. Aber was nützt es, dicke Stapel Papier aufzubewahren und keine Ahnung zu haben, was sich alles darin verbirgt.

zeitungsausschnitte

Also habe ich versucht klar Schiff zu machen und habe einen ganzen Stoss aussortiert - ohne sie nochmals anzuschauen. Wirklich weniger geworden ist die menge aber nicht.

Dienstag, 25. September 2007

Sammeln und Wegwerfen

Gestern war ein Interview zum Thema Sammeln von mir gefragt. Selbst bin ich ja keine Sammlerin, eher eine Aufheberin und
Nichtwegwerfenkönnerinmankönnteesjanocheinmalbrauchen.
Dass man nicht nur Kaffeerahmdeckeli, alte Bücher oder Diaprojektoren sammeln kann sondern auch Unterschriften, Erfahrungen und Cumuluspunkte, ist auch klar. Literarisch wirds wenn man weiss, dass Dr. Murke Schweigen (Böll) und der Hausierer Ithuriel (Twain) Echos gesammelt hat. Mein Gesprächspartner hat mich auf die Geschichte vom Wegwerfer gebracht. Und ich habe sie sofort nachgelesen, 1957 wurde sie geschrieben, doch sie ist immer noch frisch. Man sollte mehr von diesem Autor lesen:
... da war etwas entworfen, aufgesetzt, gedruckt, war in einen Umschlag gesetzt, frankiert worden, hatte die geheimnisvollen Kanäle passiert, durch die die Post unsere Briefschaften tatsächlich an unsere Adresse gelangen lässt; es war mit dem Schweiss des Zeichners, des Schreibers. des Druckers, des frankierenden Lehrlings befrachtet, es hatte - auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Tarifen - Geld gekostet; all dies nur, auf dass es, ohne auch nur eines Blickes gewürdigt zu werden, in einem Papierkorb ende?"
Heirnich Böll: Der Wegwerfer. 1957

Mittwoch, 25. April 2007

Scrapbook

Dieser Beitrag im Blog einundachtzig hat mich an eigene Scrapbook-Erfahrungen erinnert.
Vor einem Jahr bin ich im Depot des Museums Lindengut zu meinem Entzücken auf ein Scrapbook von Fanny Cornelia Bühler, später verheiratete Sulzer, gestossen. Klebe- und Bilderbuch hat man es damals genannt, im Jahr 1870 bekam Fanny es von ihrem Vater geschenkt.

scrap1

scrap2

Hier zwei Seiten daraus.
Über dieses Album habe ich einen Text für das Jubiläumsbuch des Museums geschrieben.
NB. Mittlerweile habe ich den im einundachtzig erwähnten Text aus dem Winterthurer Landboten gelesen über das "Crop Scrapbooking", darunter versteht Wikipedia: "Crop (social event), an event where scrapbookers get together, at someone's house, in a scrapbook store or another event, and scrapbook."
Ich weiss nicht, ob Fanny Bühler auch mit ihren Freundinnen zu einem social event zusammensass und mit ihnen Bilder ausschnitt und in ihr Scrapbook einklebte, aber eines weiss ich, so teuer wie das moderne Scrapbooking, war Fannys Zeitvertreib nicht.

Donnerstag, 29. März 2007

Strandgut

An den "Rändern Europas" hat die Schweizer Künstlerin Ursula Stalder jahrelang Strandgut gesammelt und dieses 1994 im Museum für Gestaltung ausgestellt. Ein schönes Buch "Gestrandet. An den Rändern Europas" hat die Ausstellung begleitet, "aus Fundstücken zwischen Kultur und Natur entstand ein melancholisches Abbild der westlichen Welt." Texte sind von Urs Widmer. Leider ist das Buch vergriffen.
An Ursula Stalder erinnert hat mich die Webseite Rheinschuh, die ein weniger melancholisches als skurriles Bild von am Rheinufer angeschwemmten Schuhen und Handschuhen zeigt. Auch wenn sie keinen künstlerischen Anspruch stellt, amüsant ist die Seite allemal. Und Fragen wirft sie auch auf.
rheinschuh2

Sonntag, 16. Juli 2006

Stumme Diener

Beim Checken meiner Lesezeichen bin ich heute hier gelandet, es lohnt sich unbedingt, dort hineinzuschauen. Es geht um einen Gegenstand, der durch die Technik vielleicht vom Aussterben bedroht ist.

Die beiden peg collectors gad charny and yoav ziv meinen zu ihren Objekten:

a daily, mundane, banal object, which we all seem to possess, though we rarely look at. the ‘silent servants’..... an object so basic yet so useful, that has the quality of serving many functions in addition to it's original one. it can be used to hang stuff, to hold, to fasten, endless number of uses, almost as versatile as the office clip.

one would have expected the pegs to disappear, with the appearance of the drying machines, but they have survived the technological change. on the contrary, the number of different clothes pegs seems only to be growing.

pegs
The 'evolution snail' of the classic wooden cloth peg, including two disguised plastic pegs

Dienstag, 28. März 2006

Das Geheimnis der Bierdose

Diese Kette ist aus 4232 Pulltabs gemacht. Es ist eine studentische „Arbeit“ aus den 1970er Jahren – heute, so heisst es, hätten die Studenten leider nicht mehr die Musse für solche Aktionen.
PulltabChainInBox

Seit wann gibt es eigentlich die Pulltabs?
Mark Benbow, Historiker und Bierdosensammler, gibt auf seiner Website erschöpfend Auskunft über Pulltabs oder ZipTabs und alles rund um die Bierdosen.

In Amerika gibt es seit 1935 Bierdosen aus Weissblech. Zuerst die sogenannten Conetops, die ein bisschen wie Bierflaschen aussahen

conetypes

dann die Flattops, wie wir sie heute noch als Getränkedosen kennen und die man mit dem sogenannten Churchkey

churchkeys

öffnen musste. Die Legende erzählt, dass der Werkzeugmacher Ermal Fraze in den späten 1950er Jahren auf einem Picknick mit Dosen aber ohne Churchkey war. Er ärgerte sich so über diese Dosen, dass er sich etwas Einfacheres einfallen liess, sogenannte Pulltabs, kleine angenietete Blechlaschen,

poptops

an denen man ziehen musste um ans Getränk zu kommen. Seine Erfindung verkauft er an Alcoa, die wiederum eine Brauerei in Pittsburgh davon überzeugen konnte, 1962 die Dosen mit der neuen Öffnung zu testen. Sie wurden ein Erfolg, auch wenn anfänglich die Konsumenten nicht recht wussten, wie man sie öffnen soll und sie die Unkenntnis manchmal mit verschnittenen Fingern bezahlten.
Seit 1965 gibt es die ringförmigen Laschen. Pulltabs wurden so allgemein verbreitet, dass sie zu einem Abfallproblem wurden, mittlerweile gibt es StaTabs, Laschen, die an den Dosen bleiben – zum Unmut all derer, die mit den Pulltabs basteln wollen.

To be continued.

Montag, 20. Februar 2006

Lego® forever

Wir haben im Keller einen Koffer mit Lego-Steinen liegen.
Lego ist aber nicht nur ein Spielzeug. Ein gewisser J.P.Brown, der als "archaeological conservator" im Field Museum in Chicago arbeitet, macht "Serious Lego" und er hat diesen Hund konstruiert, der einen Ball apportieren kann. Daneben gibt es bei ihm auch noch Konstruktionen bei denen ich nicht einmal verstehe, was sie eigentlich tun können.

lego

Hunderte von Lego-Fans und ihreWebsites gibt es, deshalb überrascht es nicht mehr, dass Legos auch gesammelt werden. Man kann sogar herausfinden, aus welchem Legoset ein Stein mit der Aufschrift Bahnhof oder Basel stammt.

bp6bahnhof bp6basel

LEGO® is trademark of the LEGO Group of companies

Donnerstag, 9. Februar 2006

Werbeplakat im Kleinen

Orangenpapiere sind Alltagsdinge. Hübsch zwar, aber vielfach unbeachtet, etwas zum Verbrauchen, zum Wegwerfen. Seit 1878 gibt es sie, seit Eisenbahn und Dampfschiffahrt den Transport der empfindlichen Früchte möglich gemacht haben. Das Orangenpapier sollte die Früchte vor Beschädigung schützen und vor Fäulnis. Bald wurde es zu einem Werbemittel, zu einem Reklameplakat im Kleinen, mit einem schönen Bild und der Adresse des Produzenten.

orangenpapier

Die separate Verpackung hebt auch den symbolischen Wert der einzelnen Frucht, macht sie irgendwie edler, seien es nun Zitronen, Orangen oder Mandarinen.
Heute hat die Behandlung der Orangenschalen mit Chemikalien die Papiere, die meist auch mit Chemikalien präpariert sind, überflüssig gemacht, Heute werden nur noch vereinzelt Früchte eingepackt, auf mich haben die eingewickelten Orangen, insbesondere die eingewickelten Blutorangen immer eine besondere Anziehungskraft. Die Papiere schaue ich mir immer an, aber dann wandern sie in den Papierkorb.
Orangenpapiere werden weitherum gesammelt, in Alben eingeklebt oder in Internet-Museen gezeigt, wie hier.
Weil nicht nur Orangen sondern auch Äpfel, Mango, Kiwi, Melonen usw. in solche Papiere eingehüllt werden, spricht man auch von fruitwrappers.