Absolut unnötig

Philippe Starck, der Stardesigner der letzten 25 Jahre sagt heute: "Alles, was ich gestaltet habe, ist absolut unnötig."
"Wir brauchen nichts Materielles. Viel wichtiger ist, dass man eine eigene Ethik entwickelt. Und dass man sich an diese Regeln auch hält. Ansonsten muss man sich um nichts sorgen."
Alles was der Mensch braucht ist: "Die Fähigkeit zu lieben. Liebe ist die wunderbarste Erfindung der Menschheit. Und dann braucht man Intelligenz."
"Alles, was ich gestaltet habe, ist absolut unnötig. Strukturell gesehen, ist Design absolut nutzlos."
"Ich war ein Produzent von Materialität. Ich schäme mich dafür. Ich will künftig ein Produzent von Konzepten sein. Das wird nützlicher sein."
"Es wird keine Designer mehr geben. Der Designer der Zukunft ist der persönliche Coach, der Trainer im Gym, der Diätberater. Das ist alles."
Lebenskrise oder Einsicht?
Interview mit Philippe Starck in der Zeit.
p (anonym) - 31. Mrz, 18:40

materielles vom star designer

kann ja schon sein, dass wir zu sehr am materiellen hängen, aber ohne designer, ob star oder nicht, wären doch viele sachen schwieriger zu handhaben, zu gestalten oder was immer. also haben designer doch auch ihren zweck zu erfüllen, praktisch soll's sein, dafür nicht immer ausgefallen in der gestaltung und dabei manchmal unpraktisch. lassen wir doch dem herrn starck seine (späte) einsicht.

derbaron - 31. Mrz, 19:34

Und schön sollen Dinge auch noch sein, damit man sich mit den Dingen, mit denen man sich umgibt, wohl fühlt, was letztlich die Lebensqualität erhöht. Keiner wird seine Wohnung bar jeder optischer Gestaltung einrichten, auch wenn der Geschmack jeweils unterschiedlich aussieht. Kein Mensch kauft Möbel nur deshalb, weil sie eine reine Funktion erfüllen. Keiner wird beim Einkaufen von Bekleidung nur auf auf die Praktikabilität achten.

Letztlich stellt Starck mit seinem Ansatz aber die gesamte Kunst in Frage.
Da ich das nicht glauben kann, halte ich große Teile seines Interviews für Koketterie und Selbstinszenierung. Das ist gar nicht negativ gemeint, denn auch das kann eine Methode sein, um sich etwas vom Rest der Welt (in dem Fall vom Rest der Designerwelt) abzusetzen.

Insoferne konnte ich über das Interview schmunzeln, allzu ernst kann man es nicht nehmen, dazu stecken zu viele Widersprüche drin.
architektos - 1. Apr, 17:13

ich möchte dem baron gerne beipflichten, mir sind die aussagen des herrn starck auch ein wenig suspekt. denn vielleicht ist es so, dass wenn man nicht mehr zu den shooting starts gehört, man mit kräftigen aussagen versucht, sich wieder ins gespräch zu bringen (wie es bei musikerinnen und -ern und schauspielerinnen und -ern leider auch oft passiert). und wenn dann ein fetter auftrag winkt, dann ist man wieder unternehmer und macht das dann gerne.

waltraut - 1. Apr, 22:34

Aber brauchen wir wirklich all das "designte" Zeug? Für den grössten Teil unserer Alltagsgegenstände wie Türklinken, Klopapierhalter, Fussabstreifer, Besteck oder Briefkästen gibt es schon lange gute, funktionale und schöne Lösungen. Brauchen wir wirklich tausend verschiedene Design-Stuhlmodelle, die oft sehr gut zum anschauen aber elend zu sitzen sind. Brauchen wir noch einen designten Wasserhahn oder ein Salatbesteck zu den x anderen dazu?
Ich denke in Starcks Worten steckt viel Wahrheit und auch viel Einsicht, aber sicher auch Koketterie - oder es fällt ihm vielleicht nichts mehr ein?
Ihr habt ja alle ein bisschen Recht.
Wir werden sehen was der Stardesigner in den nächsten Jahren macht . Vielleicht überrascht er uns bald mit einem neuen Stuhlmodell.