Der Tages-Anzeiger sucht Hundegeschichten und druckt die schönsten ab. Eine vom Freitag 9.2.07, gefällt mir sehr gut, allerdings habe ich den leisen Verdacht, dass sie zur Sorte der
urban legends gehört. Bei denen ist es ja auch typisch, dass die Geschichte dem Erzählenden nicht selbst passiert ist.
Die Hundegeschichte mit dem Titel
Etikettenschwindel geht so:
„Die Geschichte hat sich vor gut einem Jahr in unserem Bekanntenkreis zugetragen: Zwei ältere Damen waren auf dem Spaziergang mit ihrem sehr bejahrten Hund. Man hatte schon lange mit dessen Ableben gerechnet, denn seit längerer Zeit war er sehr gebrechlich. Nun war also die Stunde gekommen: Der Hund torkelte, kippte um und war tot. Was tun? In der Nähe befand sich ein Fernsehgeschäft. Die Damen beschlossen, dort nach einem leeren Karton für den verstorbenen Hund zu fragen. Sie hatten Erfolg. So legten sie den toten Hund in die Fernsehschachtel und trugen diese gemeinsam zu ihrem Auto, welches ganz in der Nähe auf dem Parkplatz stand. Jetzt wollte man sich aber nochmals im Laden für die freundliche Hilfe bedanken. Als die Damen zurück zum Auto kamen, trauten sie ihren Augen nicht: Der Fernsehkarton war verschwunden – mitsamt dem Inhalt.“
Nach meinem ersten Lachen kam mir die Geschichte von der toten Grossmutter auf dem Gepäckträger in den Sinn. Für
urban legends ist es typisch, dass grundlegende Motive in anderer Form wieder erzählt werden. Das Buch „Die Spinne in der Yuccapalme“ des Volkskundlers Rolf Wilhelm Brednich ist eine Sammlung solcher u
rban legends. Man nennt sie auch
contemporary legends, denn die Geschichten ereignen sich ja nicht nur im urbanen Raum.
Das Internet hat übrigens grossen Anteil an der globalen Verbreitung solcher Erzählungen.
waltraut - Montag, 12. Februar 2007, 10:33