Architekturgeschichte - Haus Corti







Zu den alten, heute noch bestehenden Winterthurer Bauunternehmen zählt die
Firma Corti AG, die auf Giovanni Corti (1836–1896) zurückgeht. Dieser kam 1869 nach Winterthur und gründete ein Baugeschäft, das sich auf Kamine und Leitungen sowie auf Beton- und Zementarbeiten spezialisierte.
Winterthur war zu diesem Zeitpunkt eine beinahe explosionsartig wachsende Stadt. Vom Bau
neuer Industrie- wie Gewerbeanlagen und zahlreicher Wohnbauten profitierte auch Giovanni (Jean)Corti, der sich 1882 einbürgern, als Zeichen des ersten Erfolgs aber vorher schon ein stattliches Wohnhaus errichten liess. Bereits 1875 kaufte er nämlich zusammen
mit dem Bildhauer Rizzi ein Fachwerkhaus mit Scheune an der Turmhaldenstrasse,
das 1876/77 fast vollständig neu umgebaut wurde und bis 1911 im Besitz
der Familie blieb.
Das bis heute weitgehend erhaltene Haus Corti aus den 1870er-Jahren zählt zu den
charakteristischen Baudenkmälern dieser Epoche. Es ist ein lange vernachlässigter Zeuge der Winterthurer Architekturgeschichte. Es wurde vor kurzem von alt Stadtpräsident Urs Widmer und Renato Esseiva dem ehemaligen Konservator des Museums Lindengut erworben und damit vor dem endgültigen Zerfall gerettet. Bevor die aufwändigen Umbauarbeiten beginnen, haben die beiden Hausbesitzer zusammen mit dem Bauforscher Heinz Pantli die Mitglieder des Historischen Vereins zu einem Rundgang durch das Gebäude eingeladen.
Die jahrelange Verwahrlosung des Gebäudes hat seine Spuren hinterlassen. Es musste entrümpelt werden, 29 Mulden seien nach Angaben des "Entrümplers" zusammengekommen. Zudem ist der Hausschwamm im Gebälk, so dass sich alle nach dem Besuch des Hauses die Schuhe im Salzbad desinfizieren mussten.


waltraut - Samstag, 18. September 2010, 23:26