Wahltag
Am Sonntag ist Wahltag. Dieses Jahr war der Wahlzirkus meiner Meinung nach besonders bizarr. Es ging nicht um Inhalte sondern um Aufmerksamkeit. Dieses Plakat (Ausschnitt)scheint mir recht typisch. Einfallslos aber anbiedernd.

Am einfachsten wäre es zu sagen ich will mit dem Zirkus nichts zu tun haben, die sollen machen was sie wollen. Ich habe mich aber dann doch durch die ganzen Papiere hindurchgewühlt, manche Listen von vornherein in den Papierkorb geworfen. Durch Smartvote habe ich mir Kandidaten vorschlagen lassen, die am ehesten mit meinen Einstellungen übereinstimmen. Das gab eine bunte Liste mit ausgefallenen Parteien und Personen, es hat nicht wirklich genützt. Schliesslich habe ich die Liste einer Partei eingeworfen, mit deren Gedankengut ich mich noch am ehesten identifizieren kann. (Die Partei mit dem Sönneli war es nicht!!)
Warum habe ich mir die ganze Mühe gemacht? Ein interessanter und fundierter Artikel, in der NZZ gelesen, hat auf einen Aufsatz von Gottfried Keller hingewiesen, den er 1861 geschrieben hat, Wahltag. Er ist heute noch lesens- und nachdenkenswert.
Im Wahltag redet Keller dem "ganzen aufrechten Volk" (Frauen gehörten damals noch nicht zum aufrechten Volk) ins Gewissen, das allgemeine Wahlrecht, wie es in der Bundesverfassung von 1831 festgeschrieben ist, auch gebührend wahrzunehmen.
Dass wir frei wählen dürfen sei keine Selbstverständlichkeit, meint Keller, es sei ein Privileg und eine Pflicht. Darauf zu verzichten bedeute, sich freiwillig einer Bevogtung d.h. einer Entmündigung zu unterziehen. "Habt ihr noch nie gesehen, wie einen gleichgültigen Mann, der an nichts in der Welt Theil nehmen mochte, als was seinen Bauch anging, diese Teilnahmslosigkeit noch stets zur Selbstverachtung führte?... Geradeso endet die träge Theilnahmlosigkeit eines Volkes immer mit der Missachtung seiner Einrichtungen und mit dem Verlust seiner Freiheit. Überlasst nur fünfzig Jahre lang die Bestimmung eures Schicksals einigen wenigen fleissigen Männchen, die nicht zu faul sind , in die Gemeinde zu laufen, so werden euch die schon eine Verfassung machen, welche euch der sauren Mühe des Lebens enthebt, ihr Nachtkappen..."
Kellers "Wahltag" lässt sich über Helveticat abrufen
Man muss sich auch nicht nur an die Empfehlungen Gottfried Kellers halten. Auch 20min Friday gibt einfache und praktische Tipps zum Wählen:
Warum soll man wählen? "Die Frage ist ob man mitbestimmen will oder nicht. Wir sind selber dafür verantwortlich dass wir Leute im Parlament haben, die nicht nur die Interessen der älteren Generation vertreten."
Fertige Listen abschicken - "dazu muss einem nur klar sein welche Partei man unterstützen will". Eine leere Liste selbst auszufüllen sei "unnötiger Aufwand"
Auf easyvote gibt es ebenfalls viele Tips für jüngere oder ungeübte WählerInnen.

Am einfachsten wäre es zu sagen ich will mit dem Zirkus nichts zu tun haben, die sollen machen was sie wollen. Ich habe mich aber dann doch durch die ganzen Papiere hindurchgewühlt, manche Listen von vornherein in den Papierkorb geworfen. Durch Smartvote habe ich mir Kandidaten vorschlagen lassen, die am ehesten mit meinen Einstellungen übereinstimmen. Das gab eine bunte Liste mit ausgefallenen Parteien und Personen, es hat nicht wirklich genützt. Schliesslich habe ich die Liste einer Partei eingeworfen, mit deren Gedankengut ich mich noch am ehesten identifizieren kann. (Die Partei mit dem Sönneli war es nicht!!)
Warum habe ich mir die ganze Mühe gemacht? Ein interessanter und fundierter Artikel, in der NZZ gelesen, hat auf einen Aufsatz von Gottfried Keller hingewiesen, den er 1861 geschrieben hat, Wahltag. Er ist heute noch lesens- und nachdenkenswert.
Im Wahltag redet Keller dem "ganzen aufrechten Volk" (Frauen gehörten damals noch nicht zum aufrechten Volk) ins Gewissen, das allgemeine Wahlrecht, wie es in der Bundesverfassung von 1831 festgeschrieben ist, auch gebührend wahrzunehmen.
Dass wir frei wählen dürfen sei keine Selbstverständlichkeit, meint Keller, es sei ein Privileg und eine Pflicht. Darauf zu verzichten bedeute, sich freiwillig einer Bevogtung d.h. einer Entmündigung zu unterziehen. "Habt ihr noch nie gesehen, wie einen gleichgültigen Mann, der an nichts in der Welt Theil nehmen mochte, als was seinen Bauch anging, diese Teilnahmslosigkeit noch stets zur Selbstverachtung führte?... Geradeso endet die träge Theilnahmlosigkeit eines Volkes immer mit der Missachtung seiner Einrichtungen und mit dem Verlust seiner Freiheit. Überlasst nur fünfzig Jahre lang die Bestimmung eures Schicksals einigen wenigen fleissigen Männchen, die nicht zu faul sind , in die Gemeinde zu laufen, so werden euch die schon eine Verfassung machen, welche euch der sauren Mühe des Lebens enthebt, ihr Nachtkappen..."
Kellers "Wahltag" lässt sich über Helveticat abrufen
Man muss sich auch nicht nur an die Empfehlungen Gottfried Kellers halten. Auch 20min Friday gibt einfache und praktische Tipps zum Wählen:
Warum soll man wählen? "Die Frage ist ob man mitbestimmen will oder nicht. Wir sind selber dafür verantwortlich dass wir Leute im Parlament haben, die nicht nur die Interessen der älteren Generation vertreten."
Fertige Listen abschicken - "dazu muss einem nur klar sein welche Partei man unterstützen will". Eine leere Liste selbst auszufüllen sei "unnötiger Aufwand"
Auf easyvote gibt es ebenfalls viele Tips für jüngere oder ungeübte WählerInnen.
waltraut - Mittwoch, 14. Oktober 2015, 22:53