Verwahrlosung des öffentlichen Raums
Dass in der Schweiz künftig Nacktwanderer gebüsst werden sollen, hat Spiegelonline heute gemeldet - während andernorts bereits über Nacktwanderwege nachgedacht werde um den Tourismus anzukurbeln.
Ich habe noch nie einen Nacktwanderer gesehen, der Mann der sich mir vor Jahren im Stadtpark hüllenlos präsentiert hat, war vermutlich nicht auf einer Wanderschaft. Aber ich bin auch nicht erpicht darauf irgendwo Nacktwanderer anzutreffen. Vermutlich sind es ja ohnehin diejenigen, die ästhetikmässig von Bekleidung profitieren würde. Andererseits, was sich an Freizeitbekleidung präsentiert ist auch oft eine visuelle Herausforderung. Übrigens gibt es auch Nacktradler, so hat mich ggle belehrt, diesen "Natursport" mag ich mir nicht einmal vorstellen.
Da kommt mir wieder der absolut lesenswerte Aufsatz in der NZZ vom 27.12.08 in den Sinn über die moralische Verwahrlosung des öffentlichen Raums: Mein chauvinistisches Ohr von Dubravka Ugresic. Zitat:
Der öffentliche Raum mit seinen geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen ist heute dazu da, die persönliche Freiheit zur Schau zu stellen. Altmodische Benimmregeln gelten nicht mehr, Schilder mit der Aufschrift 'Spucken verboten, die früher wegen ihres absurden Inhalts die Leute zum Lachen brachten, sind längst verschwunden. Heute spucken viele auf den Boden, markieren den Raum mit ihrer Spucke, mit ihrem Urin, mit ihren Leibern, mit ihren Stimmen. Niemand will mehr unbemerkt bleiben. Jeder kämpft um seine Rechte und pfeift auf die der anderen.
Ich habe noch nie einen Nacktwanderer gesehen, der Mann der sich mir vor Jahren im Stadtpark hüllenlos präsentiert hat, war vermutlich nicht auf einer Wanderschaft. Aber ich bin auch nicht erpicht darauf irgendwo Nacktwanderer anzutreffen. Vermutlich sind es ja ohnehin diejenigen, die ästhetikmässig von Bekleidung profitieren würde. Andererseits, was sich an Freizeitbekleidung präsentiert ist auch oft eine visuelle Herausforderung. Übrigens gibt es auch Nacktradler, so hat mich ggle belehrt, diesen "Natursport" mag ich mir nicht einmal vorstellen.
Da kommt mir wieder der absolut lesenswerte Aufsatz in der NZZ vom 27.12.08 in den Sinn über die moralische Verwahrlosung des öffentlichen Raums: Mein chauvinistisches Ohr von Dubravka Ugresic. Zitat:
Der öffentliche Raum mit seinen geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen ist heute dazu da, die persönliche Freiheit zur Schau zu stellen. Altmodische Benimmregeln gelten nicht mehr, Schilder mit der Aufschrift 'Spucken verboten, die früher wegen ihres absurden Inhalts die Leute zum Lachen brachten, sind längst verschwunden. Heute spucken viele auf den Boden, markieren den Raum mit ihrer Spucke, mit ihrem Urin, mit ihren Leibern, mit ihren Stimmen. Niemand will mehr unbemerkt bleiben. Jeder kämpft um seine Rechte und pfeift auf die der anderen.
waltraut - Donnerstag, 29. Januar 2009, 11:11