Umstrittene Hunger-Künstlerinnen

1924 wurde Franz Kafkas Erzählung „Der Hungerkünstler“ veröffentlicht, dessen Hauptperson das schwindende Interesse an dieser Art Volksbelustigung zu spüren bekommt und daran buchstäblich verhungert. In der entstehenden Wohlstandgesellschaft der 1950er Jahre verschwand Hungern für Bezahlung.
In jüngster zeit ist das Hungerspektakel wieder zurückgekehrt. Als 2003 der amerikanische Illusionist David Blaine 44 Tage in einem Glaskasten über dem Ufer der Themse öffentlich hungerte, zog das eine viertel Million Zuschauer an. Auch die Australierin Jasmuheen, die angibt, seit Jahren von Licht zu leben statt von fester Nahrung, fasziniert viele Menschen.
Als Hungerstreiks kann freiwilliges Fasten auch öffentliche Bedeutung erhalten, als individueller Widerstand gegen die Ansprüche der Umwelt kann man auch den Hungerstreik der Anorexia nervosa ansehen.
Die Magersucht-Perfomance der beiden Holländerinnen Liesbeth und Angelique Raeven von heute abend in Zürich soll wohl auch solch ein Protest sein. Aber wie die beiden im Facts sagen „Man kann heute nackt auftreten und auf der Bühne vergewaltigt werden, dass lässt heute alle kalt. Nur wer zu dünn ist, kann offenbar noch schockieren.“
waltraut - Freitag, 12. Januar 2007, 13:04